USA Blog Vivien Jung 2019

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Hallo Rivianer,

Hier bin ich schon wieder, mit einem neuen Blog-Eintrag! Es ist unglaublich für mich, wie schnell die Zeit vergeht. Ich bin jetzt schon vier Monate hier, aber es fühlt sich an wie vier Wochen.

Natürlich habe ich in der letzten Zeit eine Menge erlebt. Nach dem Ende der Band-Saison bin ich dem Indoor Color Guard Team beigetreten, die bei ihrer Show statt Instrumente zu spielen, Flaggen wirbeln und in die Luft werfen. Außerdem bin ich ja jetzt in der Jazz Band, die aber leider noch nicht mit dem Proben begonnen hat. Ansonsten ist die Schule zum Alltag geworden und ich habe mich an die Besonderheiten schnell gewöhnt.

Was dafür sehr aufregend und neu war: Die amerikanischen Feiertage. Wir befinden uns nun in der kulturellen Overload-Zeit, erst mit Thanksgiving, dann Christmas und schließlich New Year’s Eve. Weihnachten hat für mich praktisch schon begonnen, aber bevor ich davon erzähle, möchte ich über das – meiner Meinung nach – mit am interessanteste amerikanische Fest erzählen: Thanksgiving.

Thanksgiving war am 28. November und, anstatt der typischen Herbstferien, haben die Schüler hier einen Hauch von „Thanksgiving Break“. Diese war aber auch nur vom Dienstag der einen Woche zum Montag der anderen. Dafür startet das Schuljahr aber auch erst Anfang September und endet bereits Mitte Juni.

Vor dem eigentlichen Thanksgiving Abend, gibt es noch eine weitere, sehr wichtige Tradition bei uns. Meine High School spielt ein Footballspiel gegen die rivalisierende High School. Da unser Team dieses Jahr leider keinen anderen Titel als „grottig“ verdient, hatten wir alle keine große Hoffnung, aber letztendlich konnten wir uns doch als Sieger rühmen. Go Pennridge!

Das Spiel ist für unsere Schule nämlich sehr wichtig. Es war bereits das 70. Jahr dieser Tradition und die Rivalität ist sehr stark, also wäre eine Niederlage eine große Enttäuschung gewesen.

Das diesjährige Zusammenkommen fand bei meiner Gastfamilie statt, da diese in ihrem neuen Haus nun mehr Platz hat. Normalerweise wären wir zu meinen Gastgroßeltern gegangen, deren Haus hätte aber wahrscheinlich nicht die gesamte Familie halten können. Diese besteht nämlich aus meiner Gastfamilie und mir, den Gastgroßeltern, der Familie des Bruders meines Gastvaters und seinen Töchtern mit ihren jeweiligen Partner/innen. Letztendlich waren wir 16 Leute am Tisch.

Das Essen war tatsächlich so wie man es sich vorstellt: Truthahn, Kartoffelpüree, Stuffing (eine Art Brotfüllung), Cranberry Sauce und meinem geliebten Pie. Dieser wurde sogar von meiner Gastgroßmutter komplett selber gebacken, und die Regel, dass Großmütter immer am besten kochen, gilt auch hier.

Leider gibt es bei uns auch eine andere Regel: Mein Gastvater schafft es nie das Essen rechtzeitig fertig zu bekommen. Das ist schon eine Art Witz bei uns geworden. Wann immer er sagt, dass Essen sei um 18 Uhr fertig, dann brauchen wir nicht vor 18:30 Uhr am Tisch sein.

Die Zwischenzeit haben wir  aber ganz gut mit Football überbrückt, welches tatsächlich so beliebt ist, wie alle denken.

Als das Essen dann aber begann, wurde die Stimmung direkt viel festlicher. Die spanische Austauschschülerin, die auch mit uns lebt, und ich wurden gebeten ein paar Worte in unserer Muttersprache zu sagen, als wir vor dem Essen gebetet haben. Das Danken ist an Thanksgiving (wie der Name schon sagt) sehr wichtig, weshalb es großartig war in diese Tradition mit aufgenommen zu werden. Tatsächlich haben wir – statt dem Rezept für Lasagne, was wir aus Spaß einfach sagen wollten; dann aber allen erzählen würden, wir hätten eine bewegende Dankesrede gehalten – uns beide, unwissend von einander, für das herzliche Willkommen in der Gastfamilie und die Möglichkeit die amerikanische Kultur zu erleben bedankt. Und für das Essen, was die ganze Zeit vor uns stand. Das war allerdings weniger poetisch.

Danach haben wir uns alle gemeinsam an den Tisch gesetzt und das klassische Thanksgiving Dinner gegessen. Glücklicherweise gehört meine Gastfamilie nicht zu dem Stereotyp, dass an Thanksgiving die Gefühle hochkochen und die Familien sich gegenseitig die Haare ausreißen, aber ich denke generell, dass das viel zu übertrieben ist.

Zwei Tage nach Thanksgiving begann dann aber auch direkt schon die Weihnachtszeit, mit einem riesigen Plätzchenbacken, bei dem wir auch nur 30% der Kekse verbrannt haben. Ein toller Erfolg!

Da meine Gastfamilie und ich im Dezember einen sehr vollen Terminplan haben, haben wir bereist eine Woche nach Thanksgiving eine Weihnachtsfeier veranstaltet. Meine Gastmutter ist sehr engagiert, wenn es zum Dekorieren kommt, also sah unser Haus innerhalb weniger Tage bereits wie Winter Wonderland aus. Zu der Party kamen dann die engsten 60 Freunde der Familie, eine große Menge für ein mittelgroßes Haus.

Aber auch diese Feier lief glatt. Die Festivitäten haben aber noch lange nicht aufgehört. Am Abend darauf fand das Tree Lighting in Perkasie statt, einem der ältesten in der USA! Santa Claus wurde erst mit seiner Frau zu dem Flugplatz eingeflogen, dann auf einem Feuerwehrauto zu dem riesigen Baum gebracht, welchen er schließlich mit einem Silvester-ähnlichen Countdown anzündete. Es sind mehrere tausend Leute gekommen, um das Spektakel mitzuerleben, trotz der tropischen -3 °C.

Mein Terminplan hält aber noch mehr. Am Tag nach dem Tree Lighting ging es für mich zu meiner Civic Education Week nach Washington D.C., welche in meinem Stipendium enthalten ist. Dort werden wir amerikanische Museen besuchen und Abgeordnete treffen, und zum kulturellen Austausch ein Stück in Ford’s Theater sehen und ein NBA-Spiel besuchen. Dazu aber mehr im nächsten Eintrag.

Liebe Grüße und eine schöne Vorweihnachtszeit,

Vivien Jung

 

Hallo, Rivianer!

Nach fast zwei Monaten melde ich mich zurück aus dem ( nun etwas kalten) Pennsylvania!

Es mag zwar scheinen, als wäre nicht viel Zeit vergangen, aber ich habe hier drüben so viel erlebt, dass es genau so gut in einem ganzen Jahr hätte geschehen können.

Die Schule hat endlich begonnen und ich hatte meine erste Erfahrung mit einer amerikanischen High School. Der wahrscheinlich größte Unterschied ist, dass die Schüler hier jeden Tag die gleichen Fächer haben. Nun ja, alle außer Sport, das haben wir nur alle zwei Tage.

Schulstunden sind hier nur 50 Minuten lang, mit jeweils fünf Minuten zwischen den Stunden, um zu dem nächsten Klassenraum zu gelangen. Bei einer Schule mit 2300 Schülern ist das gar nicht mal so einfach! Ich kann definitiv sagen, dass ich mir bei dem ganzen Treppensteigen den Sportunterricht eigentlich sogar sparen könnte.

Meine Fächer hier sind, was leicht dem Stereotyp entspricht, tatsächlich ein wenig einfacher als bei euch in Deutschland, obwohl ich eigentlich nur „Honors Classes“ habe. Hier werden die Kurse nämlich nicht ausschließlich nach Jahrgang, sondern häufig auch nach Level geordnet, wobei zwischen „Academic“, „Honors“ und „Advanced (AP)“ unterschieden wird. AP Level sind dabei mit einem zusätzlichen, kostenpflichtigen Examen verbunden, liefern dir dafür aber auch bereits viele Punkte fürs College.

Was ansonsten noch anders ist, ist dass von den sieben Fächern die ich habe, zwei sogar Wahlfächer sind. Im ersten Semester habe ich Fotografie und Architektur, wobei ich Fotografie nächstes Halbjahr durch ‚International Business‘ ersetze. Hierbei muss ich anmerken, dass die Schule hier wegen ihrer Größe unglaublich gut ausgestattet ist. Es gibt hier sogar eine eigene Dunkelkammer mit Chemikalien und Apparaten, mit denen wir unsere eigenen Schwarz/Weiß-Bilder entwickeln können.

Letztendlich muss ich aber sagen, dass Architektur wohl mein Favorit bleiben wird: Jeder Schüler hat seinen eigenen Zeichentisch, auf dem wir per Hand mit einigen professionellen Hilfsgegenständen unsere Pläne zeichnen.

Die anderen Fächer sind vergleichbar mit denen in Deutschland. In der zehnten Klasse haben die amerikanischen Schüler Physik und Geschichte, gepaart mit der typischen Kombination aus Mathe und Englisch. Fremdsprachen fallen hier unter die Kategorie der Wahlfächer, was bedeutet, dass nicht jeder hier eine andere Sprache lernt.

Ob ihr es aber glaubt oder nicht: Deutsch ist hier die beliebteste Fremdsprache! Es wird zusammen mit Französisch, Spanisch und Latein angeboten, aber dank des unglaublichen Engagements der Deutschlehrer, die ich glücklicherweise schon kennenlernen durfte, ist Deutsch neben Spanisch der bestbesuchte Kurs.

Momentan findet sogar ein Austauschprogramm mit einer Schule in Nürnberg statt, weshalb zwanzig deutsche Schüler drei Wochen hier zur Schule gehen.

Um nochmal auf meinen Stundenplan zu sprechen zu kommen: Sport haben wir hier abwechselnd mit einer Freistunde. Normalerweise müssen die Schüler der zehnten Klasse hier Schwimmunterricht nehmen, aber da es meiner Meinung nach eine klare Unmenschlichkeit ist, das Wasser nicht mindestens auf Badetemperatur vorzuheizen, habe ich mich ein wenig herausgeredet. So konnte ich zum Glück meinen „Austauschschüler-Status“ verwenden, um in den Sportkurs der elften Klasse zu wechseln; indem ich meiner Koordinatorin erklärt habe, dass deutsche Schüler bereits in der siebten Klasse Schwimmunterricht genommen habe. Also, Herr Lohmeyer, wenn Ihnen jemals eine Frage dazu gestellt werden sollte: Sie können meine Aussage bestätigen und empfehlen mir, mich dem kalten Wasser nicht zu nähern.

Natürlich könnte ich noch Stunden über meine Klassen reden, aber um diesen Blog nicht unnötig in die Länge zu ziehen, möchte ich abschließend nur noch ein wenig über die verschiedenen Clubs reden. Das Angebot ist hier enorm, und es gibt sogar einen Deutschclub, bei dem ich stolzes Mitglied bin. Ansonsten bin ich noch im Key Club, der freiwillig – in meinem Fall z.B. bei der Tafel – arbeitet, und im Literaturkurs, der jedes Jahr eine Ausgabe seines eigenen Magazins herausbringt. Es gibt hier, ganz klassisch, auch ein Jahrbuch, mehrere künstlerisch orientierte Clubs, eine Allianz für homosexuelle Schüler und sogar einen Ski-Club aufgrund der Lage meiner Schule!

Der Schulsport ist bei uns ebenfalls ein ganz großes Thema, wobei ich zugeben muss, dass unser Football-Team eindeutig (mit nur einem einzigen Sieg) nicht zu unseren Aushängeschildern gehört. Dafür ist das Mädchenfußballteam großartig und verpasste letztes Jahr nur knapp den ersten Platz im gesamten Staat. Auch ‚Water Polo‘ ist hier sehr beliebt.

Aufgrund meiner Teilnahme in der Marching Band habe ich leider keine Zeit für einen Sport, wäre aber am Ende der Band-Saison sehr am Basketball- oder Lacrosseteam interessiert.

Letzte Woche war dann Homecoming, wo ich zusammen mit einigen meiner Freunde hingegangen bin! Es war super lustig und eigentlich nur eine einzige, riesige Party.

So oder so muss ich abschließend sagen: Jeder Schultag hier macht unglaublich viel Spaß und ich habe hunderte lustige Geschichten, die ich erzählen könnte. Bald kommen dann auch Halloween und Thanksgiving auf uns zu, wo ich noch eine ganz andere Seite der amerikanischen Kultur erleben werde.

Hiermit verabschiede ich mich auch schon wieder!

Liebe Grüße von der Ostküste,


Vivien

Hallo, Rivianer!

Wie manche von euch bereits wissen, bin ich eine der Glücklichen, die in diesem Jahr die Chance erhalten haben, ein Jahr im Ausland zu verbringen.

 

Über das Parlamentarische Patenschaftsprogramm, einem Vollstipendium vom deutschen Bundestag, besuche ich im Schuljahr 2019/20 eine amerikanische High School und lebe bei einer Gastfamilie in Pennsylvania.

Erst einmal möchte ich mich kurz vorstellen: Mein Name ist Vivien Jung, ich bin 15 Jahre alt und eigentlich stolze Rivianerin. Doch trotzdem war es immer mein kleiner Traum einmal das Gefühl des Lebens eines amerikanischen Teenagers zu haben.

Ich bin jetzt schon seit knapp drei Wochen hier in den USA und bin immer noch begeistert von allem, was ich bereits gesehen habe.

Es ging etwas holprig los, denn direkt zu Beginn erlebte ich mein erstes kleines Abenteuer in Form meines ersten Fluges, der nicht nur mit mehr als einer Stunde Verspätung startete, sondern dank eines Sturmes über Washington D.C. auch noch nach Cleveland umgelenkt werden musste. Mit knappen vier Stunden Verspätung, gepaart mit den Vorteilen von sechs Stunden Zeitverschiebung, erreichten meine Gruppe anderer Stipendiaten und ich dann die Hauptstadt der USA, wo wir die Nacht aber im wundervollen Hilton Hotel verbringen durften. Zwar ein kleiner Trost, aber definitiv ein Erlebnis für sich!

Am nächsten Tag ging es für mich dann alleine mit dem Zug weiter nach Philadelphia. Dort wurde ich dann von meinem Local Coordinator, die sich um die Austauschschüler meiner Region kümmert, empfangen und von ihr zu meiner Gastfamilie gebracht.

Obwohl es kurz vor Abreise noch viele Herausforderungen gab und ich letztendlich eine neue Gastfamilie einen Tag vor meiner Ankunft bei ihnen erhalten habe, habe ich bisher fast ausschließlich positive Erfahrungen gemacht.

Meine Gastfamilie, und ganz besonders meine Gasteltern, haben mich herzlich mit offenen Armen empfangen und dafür gesorgt, dass ich mich sofort zuhause gefühlt habe.

Und auch wenn meine Gastschwester ein wenig jünger ist als ich, wir verstehen uns super und teilen viele gemeinsame Interessen.

In meinem Schuldistrikt beginnt das neue Schuljahr erst nächste Woche, einen Tag nach Labor Day, aber ich habe trotzdem schon einige High School-Erlebnisse gehabt: Als stolzes Mitglied der Marching Band meiner Schule, musste ich mich bereits durch zwei Wochen Band Camp mit acht-stündigen Proben am Tag schlagen. Doch es war ein unglaubliches Erlebnis, das ich jederzeit (nach mindestens acht Monaten Erholung) wiederholen würde. Diesen Freitag ist auch das erste Footballspiel, dessen Halbzeit wir gestalten dürfen.

In meiner spärlichen Freizeit habe ich aber auch die Gelegenheit bekommen, alltägliche Dinge komplett neu zu entdecken: Ob durch riesige Läden wie Walmart, Giant oder Target, in denen man selbst die Lebensmittel einscannen kann, und die teilweise durch riesige Roboter gesäubert werden, oder durch das Überqueren einer beliebigen Kreuzung, wobei man mit ungefähr zwanzig verschiedenen Ampeln – und einer erschreckenden Abwesenheit des deutschen Ampelmännchens – konfrontiert wird.

Es sind zwar nur Kleinigkeiten, aber trotzdem alles Sachen, die jeden Tag hier ein wenig besonders und aufregend machen.

Zusammen mit meiner Gastfamilie konnte ich bereits den wunderschönen Nockamixon State Park und auch die Car Show meines Ortes besuchen. Beides, Seen und Autos, konnte ich zwar in dieser Form auch schon in Attendorn bewundern, aber diese Erfahrung war auf ihre eigene Art und Weise so anders und neu, dass es schon fast merkwürdig erscheint. Ich bin mir nicht sicher, ob es der amerikanische Charme war oder ob ich es mir nur eingebildet habe, aber ich glaube man muss diese besondere Art des „Fremdseins“ einfach einmal selbst erlebt haben, um alles mit einem anderen Blickwinkel betrachten zu können.

Alles in allem möchte ich schon einmal das Fazit ziehen: Es war bereits eine wundervolle Zeit und ich freue mich darauf, mehr von der amerikanischen Kultur zu sehen und zu erleben. Jede zwischenmenschliche Begegnung war unglaublich zuvorkommend und freundlich, und generell kann ich einfach nur sagen: Ich kann es kaum erwarten, noch mehr als neun Monate hier zu leben.

Liebe Grüße aus den Vereinigten Staaten,

Vivien