USA Blog Vivien Jung 2019

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Hallo, Rivianer!

Nach fast zwei Monaten melde ich mich zurück aus dem ( nun etwas kalten) Pennsylvania!

Es mag zwar scheinen, als wäre nicht viel Zeit vergangen, aber ich habe hier drüben so viel erlebt, dass es genau so gut in einem ganzen Jahr hätte geschehen können.

Die Schule hat endlich begonnen und ich hatte meine erste Erfahrung mit einer amerikanischen High School. Der wahrscheinlich größte Unterschied ist, dass die Schüler hier jeden Tag die gleichen Fächer haben. Nun ja, alle außer Sport, das haben wir nur alle zwei Tage.

Schulstunden sind hier nur 50 Minuten lang, mit jeweils fünf Minuten zwischen den Stunden, um zu dem nächsten Klassenraum zu gelangen. Bei einer Schule mit 2300 Schülern ist das gar nicht mal so einfach! Ich kann definitiv sagen, dass ich mir bei dem ganzen Treppensteigen den Sportunterricht eigentlich sogar sparen könnte.

Meine Fächer hier sind, was leicht dem Stereotyp entspricht, tatsächlich ein wenig einfacher als bei euch in Deutschland, obwohl ich eigentlich nur „Honors Classes“ habe. Hier werden die Kurse nämlich nicht ausschließlich nach Jahrgang, sondern häufig auch nach Level geordnet, wobei zwischen „Academic“, „Honors“ und „Advanced (AP)“ unterschieden wird. AP Level sind dabei mit einem zusätzlichen, kostenpflichtigen Examen verbunden, liefern dir dafür aber auch bereits viele Punkte fürs College.

Was ansonsten noch anders ist, ist dass von den sieben Fächern die ich habe, zwei sogar Wahlfächer sind. Im ersten Semester habe ich Fotografie und Architektur, wobei ich Fotografie nächstes Halbjahr durch ‚International Business‘ ersetze. Hierbei muss ich anmerken, dass die Schule hier wegen ihrer Größe unglaublich gut ausgestattet ist. Es gibt hier sogar eine eigene Dunkelkammer mit Chemikalien und Apparaten, mit denen wir unsere eigenen Schwarz/Weiß-Bilder entwickeln können.

Letztendlich muss ich aber sagen, dass Architektur wohl mein Favorit bleiben wird: Jeder Schüler hat seinen eigenen Zeichentisch, auf dem wir per Hand mit einigen professionellen Hilfsgegenständen unsere Pläne zeichnen.

Die anderen Fächer sind vergleichbar mit denen in Deutschland. In der zehnten Klasse haben die amerikanischen Schüler Physik und Geschichte, gepaart mit der typischen Kombination aus Mathe und Englisch. Fremdsprachen fallen hier unter die Kategorie der Wahlfächer, was bedeutet, dass nicht jeder hier eine andere Sprache lernt.

Ob ihr es aber glaubt oder nicht: Deutsch ist hier die beliebteste Fremdsprache! Es wird zusammen mit Französisch, Spanisch und Latein angeboten, aber dank des unglaublichen Engagements der Deutschlehrer, die ich glücklicherweise schon kennenlernen durfte, ist Deutsch neben Spanisch der bestbesuchte Kurs.

Momentan findet sogar ein Austauschprogramm mit einer Schule in Nürnberg statt, weshalb zwanzig deutsche Schüler drei Wochen hier zur Schule gehen.

Um nochmal auf meinen Stundenplan zu sprechen zu kommen: Sport haben wir hier abwechselnd mit einer Freistunde. Normalerweise müssen die Schüler der zehnten Klasse hier Schwimmunterricht nehmen, aber da es meiner Meinung nach eine klare Unmenschlichkeit ist, das Wasser nicht mindestens auf Badetemperatur vorzuheizen, habe ich mich ein wenig herausgeredet. So konnte ich zum Glück meinen „Austauschschüler-Status“ verwenden, um in den Sportkurs der elften Klasse zu wechseln; indem ich meiner Koordinatorin erklärt habe, dass deutsche Schüler bereits in der siebten Klasse Schwimmunterricht genommen habe. Also, Herr Lohmeyer, wenn Ihnen jemals eine Frage dazu gestellt werden sollte: Sie können meine Aussage bestätigen und empfehlen mir, mich dem kalten Wasser nicht zu nähern.

Natürlich könnte ich noch Stunden über meine Klassen reden, aber um diesen Blog nicht unnötig in die Länge zu ziehen, möchte ich abschließend nur noch ein wenig über die verschiedenen Clubs reden. Das Angebot ist hier enorm, und es gibt sogar einen Deutschclub, bei dem ich stolzes Mitglied bin. Ansonsten bin ich noch im Key Club, der freiwillig – in meinem Fall z.B. bei der Tafel – arbeitet, und im Literaturkurs, der jedes Jahr eine Ausgabe seines eigenen Magazins herausbringt. Es gibt hier, ganz klassisch, auch ein Jahrbuch, mehrere künstlerisch orientierte Clubs, eine Allianz für homosexuelle Schüler und sogar einen Ski-Club aufgrund der Lage meiner Schule!

Der Schulsport ist bei uns ebenfalls ein ganz großes Thema, wobei ich zugeben muss, dass unser Football-Team eindeutig (mit nur einem einzigen Sieg) nicht zu unseren Aushängeschildern gehört. Dafür ist das Mädchenfußballteam großartig und verpasste letztes Jahr nur knapp den ersten Platz im gesamten Staat. Auch ‚Water Polo‘ ist hier sehr beliebt.

Aufgrund meiner Teilnahme in der Marching Band habe ich leider keine Zeit für einen Sport, wäre aber am Ende der Band-Saison sehr am Basketball- oder Lacrosseteam interessiert.

Letzte Woche war dann Homecoming, wo ich zusammen mit einigen meiner Freunde hingegangen bin! Es war super lustig und eigentlich nur eine einzige, riesige Party.

So oder so muss ich abschließend sagen: Jeder Schultag hier macht unglaublich viel Spaß und ich habe hunderte lustige Geschichten, die ich erzählen könnte. Bald kommen dann auch Halloween und Thanksgiving auf uns zu, wo ich noch eine ganz andere Seite der amerikanischen Kultur erleben werde.

Hiermit verabschiede ich mich auch schon wieder!

Liebe Grüße von der Ostküste,


Vivien

Hallo, Rivianer!

Wie manche von euch bereits wissen, bin ich eine der Glücklichen, die in diesem Jahr die Chance erhalten haben, ein Jahr im Ausland zu verbringen.

 

Über das Parlamentarische Patenschaftsprogramm, einem Vollstipendium vom deutschen Bundestag, besuche ich im Schuljahr 2019/20 eine amerikanische High School und lebe bei einer Gastfamilie in Pennsylvania.

Erst einmal möchte ich mich kurz vorstellen: Mein Name ist Vivien Jung, ich bin 15 Jahre alt und eigentlich stolze Rivianerin. Doch trotzdem war es immer mein kleiner Traum einmal das Gefühl des Lebens eines amerikanischen Teenagers zu haben.

Ich bin jetzt schon seit knapp drei Wochen hier in den USA und bin immer noch begeistert von allem, was ich bereits gesehen habe.

Es ging etwas holprig los, denn direkt zu Beginn erlebte ich mein erstes kleines Abenteuer in Form meines ersten Fluges, der nicht nur mit mehr als einer Stunde Verspätung startete, sondern dank eines Sturmes über Washington D.C. auch noch nach Cleveland umgelenkt werden musste. Mit knappen vier Stunden Verspätung, gepaart mit den Vorteilen von sechs Stunden Zeitverschiebung, erreichten meine Gruppe anderer Stipendiaten und ich dann die Hauptstadt der USA, wo wir die Nacht aber im wundervollen Hilton Hotel verbringen durften. Zwar ein kleiner Trost, aber definitiv ein Erlebnis für sich!

Am nächsten Tag ging es für mich dann alleine mit dem Zug weiter nach Philadelphia. Dort wurde ich dann von meinem Local Coordinator, die sich um die Austauschschüler meiner Region kümmert, empfangen und von ihr zu meiner Gastfamilie gebracht.

Obwohl es kurz vor Abreise noch viele Herausforderungen gab und ich letztendlich eine neue Gastfamilie einen Tag vor meiner Ankunft bei ihnen erhalten habe, habe ich bisher fast ausschließlich positive Erfahrungen gemacht.

Meine Gastfamilie, und ganz besonders meine Gasteltern, haben mich herzlich mit offenen Armen empfangen und dafür gesorgt, dass ich mich sofort zuhause gefühlt habe.

Und auch wenn meine Gastschwester ein wenig jünger ist als ich, wir verstehen uns super und teilen viele gemeinsame Interessen.

In meinem Schuldistrikt beginnt das neue Schuljahr erst nächste Woche, einen Tag nach Labor Day, aber ich habe trotzdem schon einige High School-Erlebnisse gehabt: Als stolzes Mitglied der Marching Band meiner Schule, musste ich mich bereits durch zwei Wochen Band Camp mit acht-stündigen Proben am Tag schlagen. Doch es war ein unglaubliches Erlebnis, das ich jederzeit (nach mindestens acht Monaten Erholung) wiederholen würde. Diesen Freitag ist auch das erste Footballspiel, dessen Halbzeit wir gestalten dürfen.

In meiner spärlichen Freizeit habe ich aber auch die Gelegenheit bekommen, alltägliche Dinge komplett neu zu entdecken: Ob durch riesige Läden wie Walmart, Giant oder Target, in denen man selbst die Lebensmittel einscannen kann, und die teilweise durch riesige Roboter gesäubert werden, oder durch das Überqueren einer beliebigen Kreuzung, wobei man mit ungefähr zwanzig verschiedenen Ampeln – und einer erschreckenden Abwesenheit des deutschen Ampelmännchens – konfrontiert wird.

Es sind zwar nur Kleinigkeiten, aber trotzdem alles Sachen, die jeden Tag hier ein wenig besonders und aufregend machen.

Zusammen mit meiner Gastfamilie konnte ich bereits den wunderschönen Nockamixon State Park und auch die Car Show meines Ortes besuchen. Beides, Seen und Autos, konnte ich zwar in dieser Form auch schon in Attendorn bewundern, aber diese Erfahrung war auf ihre eigene Art und Weise so anders und neu, dass es schon fast merkwürdig erscheint. Ich bin mir nicht sicher, ob es der amerikanische Charme war oder ob ich es mir nur eingebildet habe, aber ich glaube man muss diese besondere Art des „Fremdseins“ einfach einmal selbst erlebt haben, um alles mit einem anderen Blickwinkel betrachten zu können.

Alles in allem möchte ich schon einmal das Fazit ziehen: Es war bereits eine wundervolle Zeit und ich freue mich darauf, mehr von der amerikanischen Kultur zu sehen und zu erleben. Jede zwischenmenschliche Begegnung war unglaublich zuvorkommend und freundlich, und generell kann ich einfach nur sagen: Ich kann es kaum erwarten, noch mehr als neun Monate hier zu leben.

Liebe Grüße aus den Vereinigten Staaten,

Vivien