Eine Reise nach Zhuzhou in den Süden Chinas

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23.09.19 – 24.09.19 – Anreise

Heute ist es soweit! Wir treffen uns an der Biggeakademie. Von dort aus startet unser Bus, der uns nach Frankfurt bringt. Heute begeben wir uns auf eine lange Reise. Wir fliegen nach Südchina nach Zhuzhou (etwa 4,5 Millionen Einwohner*innen). Noch ahnen wir nicht, wie lange diese Anreise wirklich sein wird. Nachdem auch die Letzte von uns vor Ort in Frankfurt ihr Visum bekommen hat, geben wir unser Gepäck auf, und die meisten von uns kommen auf Anhieb durch die Sicherheitskontrolle. Eine von uns macht es spannend und die Bundespolizei rückt an. Der Sprengstofftest spricht bei ihr an. Es ergibt sich nach langem Warten und eingehender Untersuchung, dass es sich um einen Fehlalarm handelte.

„Keine(r) von uns wusste so genau, worauf er/sie sich eingelassen hatte, jedoch wusste jeder, dass China aufregend sein würde. Schon im Sommer, als unsere chinesischen Freunde aus Zhuzhou uns besuchen kamen, erwähnten sie, dass Deutschland und China sich kaum ähneln würden und genau deswegen war die Aufregung umso größer.“ (Eva Parassi)#

Im Flugzeug sitzen wir nun für die nächsten Stunden, um unserem Ziel mit etwa 850 km/h entgegenzureisen. Bevor wir jedoch losfliegen können, gilt es für die Flugzeug-Crew noch ein technisches Problem am Flugzeug zu lösen. Wir können nicht viel machen, außer zu warten. Mit etwa drei Stunden Verspätung geht es dann in die Lüfte!  Um 10:00 (in Frankfurt haben wir nun 04:00 Uhr morgens) landen wir in Shanghai. Für die meisten von uns ist dies das erste Mal, dass wir einen Fuß auf asiatischen Boden setzen. Noch bevor wir unsere Reisepässe inklusive Visums zeigen können, messen Maschinen durch Infrarot unsere Körpertemperatur. Keiner von uns leidet aktuell an Fieber. In uns wächst die Frage, was passiert, wenn Fieber festgestellt worden wäre. Unseren Anschlussflug haben wir verpasst, sodass wir an einem anderen Flughafen einen anderen Flieger um etwa 16:15 nehmen müssen. Dies funktioniert anstandslos. Der zweite Flug bringt uns von Shanghai nach Changsha. Nach den letzten zehn Stunden Flug vergehen die jetzigen anderthalb Stunden sehr schnell. In Changsha werden wir von der chinesischen Englischlehrerin empfangen. Sie geht mit uns in ein Restaurant und wir kommen auf chinesischem Boden das erste Mal mit der Kunst in Berührung, mit Stäbchen zu essen. Wenig später, viele von uns sind nun langsam richtig erschöpft, steigen wir in den Reisebus, der uns ins Hotel nach Zhuzhou fährt. Um 20:30 fahren wir durch Zhuzhou und trotz fortgeschrittener Stunde bebt die Stadt: Menschen bewegen sich auf den Bürgersteigen, die Straßen sind noch voll, Geschäfte sind geöffnet. Um 21:15 kommen wir schließlich am Hotel an. Wir ziehen eine kurze Bilanz: Unsere Hinreise beanspruchte insgesamt fünf Verkehrsmittel und dauerte etwa 30 Stunden!

25.09.19 – Ein Tag an der Foreign Language School

Der erste Tag in Zhuzhou beginnt mit einem Frühstück im Hotel. Schnell ahnen wir, dass Müsli und Brot in den nächsten Tagen nicht zur ersten Mahlzeit des Tages gehören wird. Wir bekommen Miso-Suppe, Reis und andere warme Speisen angeboten und ein paar von uns sind etwas skeptisch. Nun wird uns klar, warum sich unsere chinesischen Gäste bei ihrem Besuch bei uns schnell Nudelsuppe zum Frühstück kauften. Manche von uns haben schließlich eine recht eigenartige Essensauswahl auf dem Teller – z.B. Wassermelone und Pommes Frites gleichzeitig.

Nach dem Frühstück brechen wir zur Foreign Language School auf und schauen uns dabei Zhuzhou das erste Mal zu Fuß an. Die chinesische Englischlehrerin und eine Deutschlehrerin der Schule begleiten uns. Der Bauzustand vieler Gebäude befindet sich in einem zerfallenen Zustand. Neben einem recht zerfallenen Haus sehen wir jedoch zum Beispiel einen Porsche stehen. Arm und reich liegen hier ganz nah nebeneinander. Angekommen in der Schule, sehen wir, dass sogar ein Banner am Eingang der Schule für uns aufgehängt wurde. Auf ihn ist folgender Text gedruckt: „Herzlicher Empfang für [die] Delegation von der Akademie Biggesee.“ Wenig später sitzen wir in einem Klassenraum, der einem kleinen Hörsaal gleicht und nehmen zusammen mit chinesischen Schüler*innen am Englischunterricht teil. Wir lernen Dinge über chinesische Traditionen und Gegenstände und basteln schließlich Kong-Ming-Laternen (Himmelslaternen), die einstmals Hilfesuchenden dienten. Es folgen verschiedene Aktionen, die unsere Schüler*innen mit begleiten. Sie erlernen einige Grundschritte des Kung Fu´s mit, hören sich das Orchester an, das mit traditionell chinesischen Instrumenten spielt und probieren die Instrumente anschließend selbst aus. Es folgt schließlich die offizielle Begrüßungsveranstaltung. Während alle ihre Plätze einnehmen, spielt ein deutschsprachiges Lied von den Prinzen, man hat sich auf uns vorbereitet. Die Schulleiterin und zwei Vertreter*innen der Bezirksregierung begrüßen uns herzlich in ihrer Schule bzw. in ihrem Land. Unsere Schüler*innen stellen sich vor und abschließend werden die jeweiligen Austauschpartner*innen ausgelost, die am Familientag gemeinsame Aktionen unternehmen werden. Als wir auf den Schulhof kommen, empfängt uns bereits eine Reporterin, die uns nach unserem Empfinden fragt, ob unsere Erwartungen an China andere waren und ob wir uns auf die nächste Zeit freuen. Mit einem Mal wird der überdimensionale Bildschirm angestellt, der an der Hauswand der Schule angebracht ist. Die Schüler*innen der Schule formieren sich in Reihen und tanzen das nach, was ihnen durch virtuelle Figuren auf dem Bildschirm vorgemacht wird. Alle bewegen sich gleichmäßig und unsere Schüler*innen lassen sich nicht lange bitten und reihen sich ein. Unsere Begleiter werden zum Mittag hin zu einem Essen mit der Schulleiterin und weiteren Offiziellen eingeladen und als wir wieder an die Schule zurückkehren, haben unsere Schüler*innen bereits ein paar Worte in chinesischer Schrift geschrieben. Der Tag verlangt einiges und so lernen wir im Anschluss Tanzschritte eines traditionellen tibetischen Tanzes kennen. Zum Ende des Tages knoten wir gemeinsam einen traditionellen Knoten zu einer Form, die uns Glück bringen soll. Abschließend besuchen wir die örtliche Mensa der Schule und einige von uns erreichen hier ihre persönliche Grenze, was das Essen und die Atmosphäre der Mensa angehen. Zum Abschluss des Tages besuchen wir einen Supermarkt und jede(r) hat die Möglichkeit persönliche Belange zu besorgen. Besonders interessant sind die vielen Verpackungen mit dubiosem Inhalt, den wir keinem uns bekannten Lebensmittel zuordnen können.

„Sie sangen ein deutsches Lied, welches sie extra für uns einstudiert hatten […]“ (Eva Parassi)

 

„Die Lehrerin und die chinesischen Schüler*innen waren sehr aufgeregt aufgrund unseres Besuchs, jedoch freundeten wir uns schnell mit ihnen an und hatten sehr viel Spaß dabei, die an uns gestellten Aufgaben zu lösen.“ (Eva Parassi)

26.09.19 – Ein Besuch in Changsha

Heute fahren wir nach Changsha, einer Stadt, die etwa 7,5 Millionen Einwohner*innen zählt und uns als das „chinesische Köln“ vorgestellt wird. Zunächst werden wir mit einer Bimmelbahn (diese erinnert stark an den Biggolino in Attendorn) auf die Orange Isle im Xiangjiang River gefahren, auf der der 32 Meter hohe Kopf aus Granit von Mao Zedong (Young Mao Zedong statue) thront, der einst die Volksrepublik Chinas ausrief. Bei unserem Besuch bemerken wir, dass nicht nur der Kopf von Mao Zedong eine Attraktion ist, auch wir werden gefilmt, fotografiert und ausdauernd angeschaut. Wir werden gefragt, ob wir uns mit den Fragenden zusammen fotografieren lassen würden. „Ich komme mir vor wie so ein Star!“, sagt eine Schülerin. Uns wird klar, dass Europäer noch nicht oft in Changsha und Zhuzhou waren. Die Bimmelbahn fährt uns zurück und wir fahren schließlich mit unserem Reisebus nach Changsha herein. Dort erwartet uns ein Mittagessen und daran anschließend Zeit für uns, um den Tempel anzusehen und danach ein paar Dinge einkaufen gehen zu können. Einige von uns nutzen dies ausgiebig. Mit vollen Taschen geht es jetzt allerdings noch nicht zum Bus, sondern in eine weitere Einkaufszone, die ebenfalls an chinesischer Originalität nicht zu überbieten ist. Es ist laut hier, es ist trubelig, es riecht nach Stinketofu (der wird wahrhaftig so genannt), das meiste können wir nicht lesen, es ist vielschichtig und wahnsinnig interessant hier. Hier haben wir zudem ausreichend Möglichkeiten Mitbringsel zu erwerben. Viele von uns laufen nicht nur einmal durch die Einkaufsstraße. Die Eindrücke sind zu vielschichtig, als dass man sie mit nur einem Blick aufnehmen könnte! Unsere chinesischen Gastgeber sind der Meinung, das sei noch nicht genug gewesen. Wir laufen zu einer dritten Einkaufszone. Diese ist sehr westlich gestaltet, teilweise erinnert sie an den Times Square in New York. Unsere Schüler*innen scheinen am Ende des Tages zufrieden mit ihrer Ausbeute und die Rückfahrt mit dem Bus nach Zhuzhou wird teilweise für ein Schläfchen genutzt. Dies ist sinnvoll. Denn im Anschluss warten schon die jeweiligen Gastfamilien am Hotel, um mit ihren Gästen die ein und andere Unternehmung zu beginnen.

27.09.19 – Besuch der Schule und der Hunan Ceramic Exhibition Hall

Nach dem Frühstück besuchen wir ein weiteres Mal die Foreign Language School. In einer physikalisch-naturwissenschaftlichen Unterrichtsstunde werden wir in kleine Arbeitsgruppen aufgeteilt. Die Aufgabe ist es, einen Turm, der nur aus Spaghetti und Tesafilm besteht, zum Stehen zu bringen. Den Gewinner*innen winkt eine Packung Marshmallows als Preis. Anschließend haben wir zudem die Möglichkeit, Badminton oder Tischtennis gegeneinander zu spielen. Bevor es dann in die Schulmensa geht, bekommen wir einen Park neben der riesigen Sporthalle zu sehen, in dem zu diesem Zeitpunkt gerade traditionelle chinesische Musik gespielt wird. Nach einer kurzen Mittagspause brechen wir nach Liling auf. Die Fahrt dorthin offenbart, wie akribisch die Chinesen Hochhäuser in den Himmel ziehen. Überall stehen die meterhohen Häuser und sind aktuell noch im Bau. Auf jedem zweiten Dach steht ein Kran. Uns wird ein wenig mulmig bei diesem Anblick. Diese Hochhäuser scheinen die Möglichkeit zu haben, jegliche Individualität der Menschen zu verschlucken. In Liling besuchen wir eine Dauerausstellung, die uns die Geschichte und Gegenwart der berühmten chinesischen Keramik offenbart (Hunan Ceramic Exhibition Hall). Schon allein die Gebäude, in denen sich das Museum befindet, sind mehr als einen Blick wert, sind sie doch so gestaltet, dass keine Kanten zu finden sind und man sich leicht an große Vasen erinnert fühlt. Nach unserer kurzen Museumstour erwerben einige von uns die letzten Souvenirs im Souvenirshop der Ausstellung und danach laufen wir zu einer kleinen Werkstatt, in der wir selbst Ton zu einer Form verarbeiten dürfen. Manchen gelingt dies, andere haben so ihre Schwierigkeiten. Wir laufen noch ein wenig über das Ausstellungsgelände und die nahegelegene Food-Street, auf denen schon bald die internationale Keramik-Messe stattfinden wird und nutzen die Möglichkeit, eine Kleinigkeit zu essen und zu trinken.

28.09.19 – Familientag in Zhuzhou

Heute werden wir durch verschiedene chinesische Familien aufgenommen. Es stellt sich schnell heraus, dass die meisten Eltern, gemeinsam geplant haben, was sie mit uns unternehmen. So kommt es dann, dass wir in einer großen Gruppe zu einer Art Freizeitpark in Zhuzhou aufbrechen, in dem wir zunächst jeweils zwei Runden reiten können, anschließend bouldern dürfen und uns abschließend mit Schießübungen mit einem Bogen betätigen. Im Anschluss daran fahren wir direkt nach Zhuzhou rein und machen einen kurzen Stopp zum Essen, bevor wir dann in einen Bus steigen und in ein hiesiges und riesiges Einkaufszentrum fahren. Auf mehr als sieben Etagen bekommt der geneigte Käufer bzw. die geneigte Käuferin alles – vom Stofftier bis zur Pfanne. Dort halten wir uns etwa anderthalb Stunden auf, bevor einigen von uns der Kopf schwirrt. Die Familien haben heute einiges mit uns vor und so kommt es dann, dass wir am Fuße des 293 Meter hohen Shennong Tower in ein Tretboot steigen und in der Abendsonne über einen See schippern. Dies ist eine sehr schöne Szenerie. Nach unserer Bootsfahrt werden einigen von uns die Augen schwer und man richtet sich mental auf die Ruhe des Hotelzimmers ein. Unsere Gastgeber*innen haben so jedoch nicht gewettet und wir werden auf ein Abendessen eingeladen und anschließend gefragt, ob wir noch eine Fahrradtour machen und uns danach einen Film anschauen wollen. Diplomatisch erklärt erklären wir unseren Gastgebern*innen, dass wir gerne noch zum Abendessen mitkommen, jedoch gerne von einer Fahrradtour und einem Kinobesuch absehen würden. Was war das für ein schöner und ereignisreicher Tag! Im Hotel werden kleinere Gastgeschenke an die Gastfamilien verteilt und sich für die Mühen bedankt, bevor es dann aufs Zimmer und in die Betten geht.

Jede(r) von uns verbrachte seinen eigenen, schönen „Family-Day“ und jede(r) kam zufrieden wieder zurück ins Hotel.“ (Eva Parassi)

29.09.19 bis 30.09.19 – Unsere Rückreise

Ein letztes Mal besuchen wir heute die Foreign Language School. Es kommt zum Abschied. Die Schulleiterin, Her Hesse im Namen der Biggeakademie und unserer Schulen und die chinesischen Schüler*innen verlieren sehr herzliche Worte. Als unsere Schüler*innen gefragt werden, ob sie noch etwas sagen möchten, herrscht kurzzeitig zurückhaltendes Schweigen, bevor sich eine Schüler*in ein Herz fasst und Abschiedsworte aus der Schüler*innnenschaft an unsere Gastgeber*innen wendet. Andere Worte unserer Schüler*innen folgen. Schließlich schreiben sich die jeweiligen Austauschpartner*innen gegenseitig Grußkarten und stecken gemeinsam ein Blumengesteck zusammen, dass zur Dekoration auf den danach folgenden Fotos dient. Die Schule hat uns zudem einen kleinen Film zusammengeschnitten, der uns die Eindrücke der letzten Tage mit musikalischer Untermalung noch einmal vor Augen führt. Was war das ein toller, verrückter, interessanter und exotischer Besuch!

Nun geht es daran, die letzten Dinge in die Koffer zu packen, denn schon bald geht es wieder in Richtung Attendorn. Unsere Rückreise ist nur etwa halb so lang wie die Hinreise und kommt uns fast schon kurz vor. Das Sauerland empfängt uns am 30.09.19 mit kräftigen Regenschauern, in einer Woche unserer Abwesenheit haben sich die Bäume schon merklich verfärbt – der Herbst erhält Einzug.

Dieser Trip hat sich definitiv gelohnt. Jeder von uns hatte eine gute Zeit und hatte ein paar Tage Zeit, um einmal in eine ganz andere Welt einzutauchen und etwas Neues zu erleben. Jeder geht mit einer neuen Erfahrung nach Hause und das wichtigste: Jeder hat eine Freundschaft in China aufgebaut,[…]“ (Eva Parassi)