Krimi

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Alte Formeln

Krimi 1

Der Wecker klingelte und Leon schreckte auf. Langsam wurde er wach und bemerkte: Heute war sein erster Schultag an der neuen Schule. Er machte sich fertig und beeilte sich mit dem Essen. Dann verabschiedete er sich von seiner Mutter und beeilte sich, um den Bus zu bekommen.

An der Bushaltestelle am Feuerteich angekommen, wurde er von den Mitfahrern aus dem Bus gedrückt. Er folgte dem Schülerstrom zum Rivius.

Ehrfürchtig schritt er die Stufen des Hauptportals hoch und ging zum Sekretariat, wo ihm der Weg zum Klassenraum erklärt wurde. Vor dem Klassenraum – es war Raum 351 – holte er noch einmal tief Luft und klopfte an die Tür. Er trat ein und ein junger Lehrer drehte sich um. „Du musst Leon Richard sein, der neue Schüler. Ich bin Herr Blumberg. Herzlich Willkommen am Rivius Gymnasium Attendorn. Am besten ist, du setzt dich neben Ben.“ Er deutete auf einen cool angezogenen Jungen in der letzten Reihe.

Krimi 2

Leon setzte sich und musterte den Jungen neben sich. Nach einiger Zeit sagte er: „Hey!“ Der Junge musterte ihn mit einem coolen Blick über die Schulter und wandte sich ab. Leon wusste nicht, was er hätte sonst sagen sollen. Er lauschte dem Unterricht von Herr Blumberg, wartete aber insgeheim auf die Pausenklingel. Aber als dann wirklich zur Pause klingelte und alle auf den Hof liefen, wusste er nicht, was er tun sollte.

Er sah Ben mit einer Gruppe von Freunden auf einer Bank unter der Kastanie sitzen und gesellte sich zu ihnen. „Hey“, startete er und wartete auf eine Reaktion. Als niemand antwortete, wiederholte er noch einmal: „Hey“ .Ein dicker Junge drehte sich um und sagte: „Junge, wir haben keine Zeit für Opfer, zisch ab!“ Doch so einfach gab Leon nicht auf: „Mit wem habe ich denn die Ehre?!“, erwiderte er spöttisch und verbeugte sich. Da stand der Junge auf und hob drohend die Hand: „Willst du schon am ersten Tag `nen blaues Auge riskieren?“ „Dann komm doch!“, forderte Leon ihn heraus.

Krimi 3

Der Dicke erhob sich und lief auf Leon zu und schlug auf ihn ein, absolut kraftlos und für einen gekonnten Treffer viel zu gerade, dagegen hielt Leon die Hand reaktionsstark fest und drehte sie nach rechts.

Es knackte und der Dicke schrie auf, doch Leon zeigte keine Gnade.

Er sprang blitzschnell hinter ihn, trat ihm in den Rücken und schubste sein Opfer zu Boden, drehte sich um und ging weg.

In der nächsten und letzten Pause sprach Ben ihn an: „Das was du vorhin mit Kevin gemacht hast, war voll cool.“ „Ich weiß, ich habe einen schwarzen Gürtel.“ „Wenn du zeigen willst, wie mutig du bist, dann hätten wir etwas für dich. Eine Mutprobe.“ „Was muss ich machen?“ „Du musst heute Abend in die Schule einbrechen und die Lösungen für die nächste Mathearbeit klauen.“ Leon schluckte, doch es gab kein Zurück, wenn er der Klasse zeigen wollte, dass er kein Waschlappen war.

Krimi 4

Abends als seine Mutter schlief, schlich er sich aus dem Haus und nahm den Nachtbus Richtung Attendorn. Vom Bieketurm war es ja nicht weit bis zur Schule. Er war perfekt ausgerüstet, schwarz gekleidet und ziemlich nervös. In seinem Rucksack hatte er einen Dietrich, eine Taschenlampe und anderes Einbruchsequipment.

Auf dem Wall führte nur noch eine ältere Dame ihren Dackel Gassi und verschwand im Durchgang zur Hansastraße. Kein Mensch in Sicht. Am Schulhofeingang bog er ab und schlich vorsichtig an den Büschen entlang, an den Mülltonnen vorbei zu den Tischtennisplatten und zur Pausenhalle. Dort öffnete er die Glastür mit dem Dietrich, was erstaunlich einfach ging. Er lauschte, doch nichts passierte. Nicht einmal eine Alarmanlage schien diese Schule zu haben.

Als er drin war, zückte die Taschenlampe und suchte den Weg zum Lehrerzimmer, was nicht schwer war. Der Mieter im Keller rührte sich auch nicht. Um in das Lehrerzimmer zu kommen, musste er wieder eine Tür mithilfe des Dietrichs öffnen. Dann suchte er nach dem Fach der Mathelehrerin. Zuerst fand er es nicht, doch dann entdeckte er es. Er durchsuchte es vorsichtig und fand die Lösung schließlich. Als er sich auf den Rückweg machen wollte, hörte er ein Geräusch im Erdgeschoss.

Krimi 5

Vorsichtig schlich er sich zur Treppe und blickte hinunter. Eine schwarz gekleidete Person, die mit einer Taschenlampe in der Hand die Treppe hochschlich! „Noch ein Einbrecher“, schoss es ihm durch den Kopf und er zog sich hinter die Klassenbuchschränke im Lehrerflur zurück. Einerseits wollte er so schnell wie möglich mit der Lösung verschwinden, andererseits wollte er wissen, was der Einbrecher vorhatte.

Sein Gehirn entschloss sich schließlich für die zweite Möglichkeit. Er beobachtete, wohin sich der Einbrecher, den er in der Dunkelheit nur durch das Licht der Taschenlampe erkennen konnte, entfernte. Er sah, dass sich der Mann an ihm vorbei in Richtung der Physikräume bewegte. Leon sah, wie der Mann die Tür zu Raum 211 öffnete. Jetzt wurde es unfassbar spannend. „Was will der Mann nur?“ dachte er. Er sah, wie der Mann an der Wand herumtaste. Er fluchte etwas in einer anderen Sprache, die Leon nicht einordnen konnte. Auf einmal hörte er, wie etwas knirschte. Dann sah er, wie dort, wo gerade noch die Wand gestanden hatte, nun ein Durchgang sichtbar wurde. „Auf was für einer Schule bin ich hier gelandet?!“, dachte sich Leon und beobachtete gebannt, wie der Mann sich in den Durchgang bückte. Er hörte, wie der Mann aufjubelte. In diesem Moment heulte ein Alarm los. Für einen Moment war Leon wie betäubt vor Angst, doch als der Mann an ihm vorbeilief, wurde er wieder wach und sprintete hinterher. Auf einmal stolperte der Mann. Leon konnte nicht mehr bremsen und fiel über ihn. Er verlor seinen Rucksack und für einen Moment konnte er das Gesicht des irritierten Mannes erkennen.

Krimi 6

Es war Herr Blumberg!

Leon hoffte, dass er ihn nicht erkannt hatte, sprang auf, schnappte sich seinen Rucksack und lief davon. Da hörte er die Polizeisirenen, ein Wagen fuhr auf den Schulhof und er sah, wie ein Polizist durch den Haupteingang heraufkam. Leon drehte um und lief wieder in den ersten Stock. Seine einzige Möglichkeit bestand darin zu springen. Er öffnete ein Fenster zur Hansastraße, nahm allen Mut zusammen und sprang. Er spürte einen stechenden Schmerz, aber humpelte weiter. Er wusste, dass er so nicht entkommen konnte, doch in diesem Moment rauschte ein Taxi herbei und hielt neben ihm. Leon dankte Gott innerlich und stieg ein. Als er zuhause war, legte er den Rucksack unter sein Bett und schlief zufrieden ein. Er träumte von Herrn Blumberg, der ihn durch das Rivius verfolgte und rief: „Ich habe dich erkannt!“ Immer wenn er meinte, ihm entkommen zu sein, tauchte Herr Blumberg an der nächsten Ecke auf und verfolgte ihn weiter. Seine Beine wurden immer schwerer und schwerer und schließlich holte Herr Blumberg ihn ein. Er wachte schweißgebadet auf.

Krimi 7

„Aufwachen, Schule!“, rief seine Mutter. Leon stand auf und machte sich fertig. Er war gut gelaunt, aber immer noch von dem Traum beunruhigt. Er frühstückte ein genüssliches Brötchen und machte sich auf den Weg zur Schule. Auf halbem Weg zur Schule fiel ihm ein, dass er den Rucksack vergessen hatte. Er beeilte sich, doch mit dem verletzten Fuß kam er nicht gut voran. Also verpasste er den Bus und musste auf den nächsten warten, der ihn aber zu spät zur Schule bringen würde.

Während Leon ganz allein an der Bushaltestelle wartete, kam ihm der Gedanke, seinen Rucksack zu öffnen und die Mathearbeit zu begutachten. Er öffnete den Reißverschluss und schaute hinein und erstarrte. In dem Rucksack lag ein Buch, aber nicht die Mathearbeit. „Das kann nicht sein“, wunderte er sich, „ich hab die Mathearbeit doch eingesteckt! Dies Buch habe ich noch nie gesehen!“ Da erinnerte er sich an den Sturz, bei dem ihm der Rucksack heruntergefallen war. Er musste Herr Blumbergs Rucksack genommen haben. Aus reiner Neugier öffnete er das Buch, es war ein Tagebuch. In gekrakelter Schrift las Leon:

17.4.1942

Sehr geehrtes Tagebuch!

Die Hölle geht los. Heute wurden neun Juden abgeholt und ins KZ gebracht. Gott sei dank weiß noch niemand von meinem Glauben und deshalb bin ich vorerst sicher. Allerdings werde ich meine Forschungsergebnisse sichern müssen, und ich glaube, der einzig sichere Ort ist das Rivius Gymnasium. Es gibt dort einen geheimen Raum, von dem nur ich weiß, und das soll auch vorerst so bleiben. Dort werde ich dieses Tagebuch verstecken und die restlichen Formeln an einem anderen Ort im Gymnasium verstecken. Ich hoffe, dort sind sie vorerst sicher und irgendwann, wenn diese dunklen Wolken über die Welt hinweg gezogen sind, wird meine Erfindung der Menschheit Nutzen bringen.

Bis bald,

Frank Stern

Leon staunte über das, was er soeben gelesen hatte. Fast hätte er vergessen, in den Bus einzusteigen, der gerade hielt. Die ganze Fahrt grübelte er darüber nach. Er fragte sich, um welche Erfindung es sich handeln könnte, und schlug neugierig die nächste Seite auf. Sie war leer, doch Leon sah, dass einige Seiten herausgerissen worden waren. Leon nahm sich vor herauszufinden, wo diese Seiten nun waren, denn irgendetwas sagte ihm, dass er dann herausfinden würde, was die Erfindung war.

Aber nun war erst mal die Schule an der Reihe. Er beeilte sich, um nicht allzu viel von der Physikstunde bei Herrn Blumberg zu verpassen. Es ging um Schall. „Nun schauen wir einen kleinen Film zu dem… ah, Leon! Ich nehme an, der Bus kam zu spät?“ „Ja.“ „Nun denn, setzt dich bitte.

Ok los geht’s.“ Sie sahen einen interessanten zehnminütigen Film über den Schall. Als die Stunde vorbei war, folgte Leon, ohne lange nachzudenken, Herrn Blumberg in die Cafeteria. Dort sah er, wie Herr Blumberg einen ordentlich gefalteten Zettel aus der Hosentasche holte und ihn durchlas. Dann holte er einen Notizblock und einen Kugelschreiber aus der Jackentasche und kritzelte etwas auf den Notizblock, den Zettel riss er ab. Genau in diesem Moment wurde er von einem Zwölftklässler angerempelt und der Notizblock fiel Leon vor die Füße. „Tut mir sehr leid!“, entschuldigte sich der Zwölftklässler und ging. Leon wollte den Notizblock zurückgeben, doch da sah er, dass man die Abdrücke vom Schreiben noch sehen konnte.

Als er den Notizblock eingesteckt hatte, wurde er plötzlich von hinten angefasst, blitzschnell drehte er sich um. Hinter ihm stand Ben. „Hast du die Lösungen?“ „Nein, ich wurde fast erwischt.“ „Nachts? Von wem?“ „Ich glaube, es war der Hausmeister.“ „Amateur“, sagte Ben zum Abschied. Leon ärgerte sich, dass er die Mutprobe nicht bestanden hatte und jetzt als Versager galt.

Als er in der nächsten Stunde etwas Freiraum hatte, fiel ihm der Notizblock wieder ein. Er nahm ihn heraus und betrachtete das oberste Blatt ganz genau. Man konnte die Abdrücke noch erkennen, doch zu schwach um auszumachen, was dort stand. Er nahm einen Bleistift heraus und malte das Blatt an. Dort stand in ordentlicher Lehrerschrift:

Was war schon vor der Erde da?

Was brauchen wir zum Leben?

Sieht es mittags von seinem hohen Thron

Herab auf des Schalles Haus,

Wirst du sehen, was ich mein‘,

Ist um drei der Schatz dein.

,Ein Rätsel!‘, dachte Leon. Was war schon vor der Erde da? Also etwas Unirdisches. Was brauchen wir zum Leben? Sauerstoff! Aber hoher Thron? Licht, die Sonne. Verdammt, Herr Blumberg würde heute schon dorthin kommen. Also musste er Herrn Blumberg beschatten… Doch vielleicht hatte Herr Blumberg das Rätsel noch nicht gelöst. Er schaute auf seine Uhr – 11:50. Ihm musste etwas einfallen, um aus der Deutsch-Stunde herauszukommen. Ihm blieb nicht mehr viel Zeit. Er zeigte auf: „Frau Müller, dürfte ich bitte einmal auf die Toilette?“ „Ja, aber beeil dich!“ Leon beeilte sich auch. Er lief aus dem Hauptportal und schaute auf die Uhr 11: 59 noch… In diesem Moment hörte er die Kirchenglocke und Leon konzentrierte sich voll und ganz auf die Sonne. Die Sonne fiel über den Wetterhahn der Kirche und fiel … auf den Glockenturm. „Natürlich“, dachte Leon „Des Schalles Haus“. Er machte sich auf den Rückweg zum Klassenraum. „Um drei Uhr nachmittags zu gehen, ist zu riskant“, dachte er. „Also muss ich um drei Uhr nachts gehen.“

Den ganzen Tag über konnte er sich auf nichts mehr konzentrieren. Was würde ihn erwarten? Würde sich die ganze Arbeit auszahlen oder nicht? Er stellte seinen Wecker auf halb zwei und versuchte noch ein wenig zu schlafen. Er schlief sehr unruhig und wachte schon um ein Uhr auf.

Er nahm diesmal Kletterausrüstung mit, um auf den Glockenturm zu kommen, und fuhr wieder mit dem Bus in die Stadt.

Diesmal würde er vorsichtiger sein. Lautlos schlich er über den Schulhof. Er brach das Schloss auf und schlich Richtung Aula. Dort öffnete er eins der alten Fenster und stieg hinaus. Schwindel überkam ihn, doch es gab kein Zurück. Todesmutig fasste er die Regenrinne und zog sich mit aller Kraft hoch. Er schaffte es und schaute auf die Uhr: 2:49. Alles war still. Das musste man auskosten. Er setzte sich auf das Dach und genoss den Ausblick. Dann war es soweit. Die Kirchturmglocken läuteten drei Mal und er stand auf. Ihm wurde bewusst, dass er nun nicht viel Zeit hatte. Leon schaute sich um. Kein Detail sollte ihm entgehen. Er musste nachdenken: Was würde er nur jetzt ergründen können?

Da hörte er ein mechanisches Knirschen und er sah, wie sich eine kleine Klappe öffnete, in der sich ein Stück Papier befand. Er nahm es heraus und schaute es sich an.- Auf dem Blatt standen Formeln, die er nicht verstand. Vorsichtig seilte er sich vom Dach ab.

Leon hatte bei der Planung einen wichtigen Punkt vergessen, was sollte er nun tun? Wohin mit den Formeln? Er kannte niemanden, dem er solche Formeln anvertrauen konnte. Doch seine Gedankengänge wurden unterbrochen. Da kam jemand die Treppe rauf. Er warf sich auf den Boden zwischen den hinteren Stuhlreihen und machte sich ganz klein. Dennoch beobachtete er genau, was passierte. Es war Herr Blumberg, der in die Aula kam. Er ging an Leon vorbei, ohne ihn zu bemerken. Herr Blumberg wunderte sich über das offene Fenster, stieg aber trotzdem hinaus. Da kam eine Stimme vom Eingang der Aula: „Sie drehen sich jetzt ganz langsam um und heben ihre Hände!“ Herr Blumberg gehorchte diesen Befehlen. Jetzt erkannte Leon einen Mann am Eingang der Aula. Er hielt einen Revolver in der rechten Hand und hatte ihn auf Herr Blumberg gerichtet. „Wo sind die Formeln?“, fragte der Mann mit tiefer Stimme. „Ich habe sie nicht“, erwiderte Herr Blumberg, doch wegen seiner Anspannung klang die Antwort nicht wirklich überzeugend. „Kommen Sie schon“, blaffte der Mann. „Sie haben doch eh verloren. Rücken Sie die Formeln raus!“ Leon schätzte die Situation ab. Alles sah für den Mann so aus, als hätte Herr Blumberg die Formeln. Wenn er diese nun nicht bekam, würde er Herrn Blumberg erschießen, fürchtete Leon. Es waren zehn Meter bis zu dem Mann. Wenn Leon ihn überraschen konnte, hatte er vielleicht eine Chance. Er spannte seine Muskeln an und sprang auf den Mann zu und stieß ihn in den Magen. Der Mann ließ die Waffe fallen und schnappte nach Luft. Leon kickte sie mit dem Fuß aus der Aula heraus. Doch seine Siegesfreude verging sofort, als er sah, wie ein weiterer Mann die Waffe aufhob und sie auf ihn richtete. Leon wollte sich wehren, doch da stand der andere Mann auf und verpasste ihm einen Schlag auf den Kopf. Alles wurde schwarz und er träumte davon, wie ein Mann einen Hammer nahm und ihm damit immer wieder auf den Kopf schlug.

Langsam kam Leon wieder zu sich. Er saß gefesselt auf der Rückbank eines Autos. Vor ihm saß Herr Blumberg. „Wo sind wir?!“ „Keine Ahnung!“ „Wie lange habe ich geschlafen?“ „Fünf Stunden.“ „Gibt es eine Möglichkeit zu entkommen?!“ „Ich glaube nicht. Du warst es, der gestern Nacht in der Schule war, oder?“ Leon schluckte, doch er wusste, dass Leugnen sinnlos war: „Ja. Es war eine Mutprobe.“ „Und dann hast du meinen Rucksack mitgenommen und das Rätsel gelöst?“ Wieder antwortete er wahrheitsgemäß. „Weißt du, mein Opa saß mit Herrn Stern im Gefängnis. Herr Stern erzählte ihm die Geschichte und mein Opa erzählte sie auf dem Sterbebett mir. Also bewarb ich mich für den Job im Gymnasium und suchte das Tagebuch.“ „Und haben Sie herausgefunden, was das für eine Erfindung ist?“ „Nein, aber sie ist sehr wertvoll, denn die beiden sagten, sie wollten sie an den Meistbietenden verkaufen.“ „Wir müssen ihn aufhalten!“ „Aber dazu müssen wir erst mal hier raus“, sagte Herr Blumberg. „Kommst du an meine linke Hosentasche?!“ „Ich glaube schon“, flüsterte Leon und tastete danach. Er fühlte etwas Kaltes und zog es heraus. Es war ein Taschenmesser. Schnell durchtrennte Leon seine Fesseln und befreite auch Herrn Blumberg. Sie stiegen aus dem Auto und fassten einen Plan. Sie suchten im Kofferraum nach Dingen, die sie gebrauchen konnten. Sie fanden ein Seil und spannten es quer über den Parkplatz. Dann löste Leon die Alarmanlage im Auto aus und flüchtete zu Herr Blumberg hinter einen Busch. Wenige Momente später kam einer der Männer aus der Bar. Er stolperte über das Seil und landete auf dem Boden. Leon und Herr Blumberg stürmten aus dem Versteck. Herr Blumberg drückte ihn zu Boden und Leon fesselte ihn.

Herr Blumberg hielt ihm den Mund zu und Leon durchsuchte ihn. Die Formeln steckten in einer seiner Hosentaschen. Außerdem nahm Leon sich den Autoschlüssel heraus. Herr Blumberg fesselte den Mann an einer Straßenlaterne und startete den Wagen. „Wo fahren wir jetzt eigentlich hin?“, wollte Leon wissen. „Wir fahren zu einem Bekannten. Er ist Wissenschaftler und der einzige, dem ich von den Formeln erzählt habe. Bei ihm sind sie sicher.“ Leon schaute in den Rückspiegel und bemerkte, dass der zweite Mann den Gefesselten bemerkt hatte und ihn befreite. Dann sah er, dass andere Männer, die wahrscheinlich an der Versteigerung teilnehmen wollten, dazu kamen.

Leon bemerkte, dass sie bei ihrem Plan etwas vergessen hatten. Die anderen Männer würden sie doch verfolgen. Ein Mann sagte etwas, doch der gerade Befreite winkte ab. Leon wunderte sich: Die Männer verfolgten sie gar nicht. Die Fahrt dauerte etwa 30 Minuten, doch dann hielt Herr Blumberg vor einer großen Villa. Leon staunte. So ein großes Haus hatte er noch nie betreten. Sie stiegen aus und gingen über einen Kiesweg bis zur Haustür. Herr Blumberg klingelte. Ein großer Mann mit weißen Haaren und vielen Falten im Gesicht öffnete. „Hallo, Herr Blumberg. Oh, und wer bist du?“ „Ich bin Leon.“ „Ich bin Professor Goldstern. Kommt herein, Leon und Herr Blumberg!“ Sie setzten sich an einen langen Tisch, der in einer Art Salon stand. „Dann erzählt mal!“ Leon erzählte die Geschichte von der Mutprobe bis zur ihrer Flucht. Als er geendet hatte, klatschte Professor Goldstern laut in die Hände. „Das klingt ja wirklich abenteuerlich, doch jetzt hab ihr es ein für alle Male verloren!!!!“ Er zog einen Revolver und richtete ihn auf Leon. „Die Formeln!“ Da fiel es Leon wie Schuppen von den Augen. Der Professor steckte hinter allem. Natürlich! Dass ihm das nicht vorher aufgefallen war!? Warum wussten die Männer von den Formeln? Warum verfolgten sie sie nicht weiter? Wer kann damit etwas anfangen? Leon gab ihm die Formeln. „Gut so“, sagte der Professor und deute mit dem Revolver zu einer Tür „Da entlang, bitte.“ Leon und Herr Blumberg gingen durch die Tür, die anscheinend in den Keller führte. Der Professor schloss die Tür ab.

Niedergeschlagen saßen sie auf der Treppe und warteten auf ein Wunder. Leon konnte hören, wie der Professor eine Nummer wählte, doch da klingelte es an der Haustür. Die Schritte des Professors entfernten sich und Leon hörte, wie er die Tür öffnete. „Ah, die beiden Vollidioten!“ , hörte er die Stimme des Professors. „Hereinspaziert!“ Die Schritte kamen näher. „Sind die beiden euch wirklich entkommen?!“, fragte der Professor. Er klang belustigt. „Sind sie hier?“ „Ja sie spielen mit den Ratten im Keller.“ „Dann ist ja alles klar. Da wäre nur noch ein Punkt: die Bezahlung.“ „Du Clown verlangst nach einer Bezahlung?! Schlimm genug, dass die beiden euch entkommen sind, aber dass ihr mich betrügen und die Formeln verkaufen wolltet, das hätte ich von euch nicht erwartet!“ Leon hörte, wie der Revolver des Professors geladen wurde. „Aber, aber, das können wir auch anders regeln“, sagte einer der Männer. Da hörte Leon, wie die Haustür eingetreten wurde. „Hände hoch, Polizei.“ Leon atmete auf. „Die Waffe wegwerfen und alle auf den Boden legen“ Er hörte, wie die Waffe auf den Holzboden fiel. Dann klopfte er an die Kellertür, um auf sich aufmerksam zu machen. Ein Mann öffnete sie und entdeckte Leon und Herr Blumberg. „Geht es euch gut?!“ „Ich glaube schon“, sagte Leon und musste den Polizisten die ganze Geschichte erzählen. Er wurde aufs Revier mitgenommen, um eine Aussage zu machen. Nachdem das geschehen war, holte ihn seine Mutter ab. „Ich bin so froh, dich wiederzusehen!“ sagte sie.

2 Tage später

Leon saß in der Küche und las die Zeitung:

Rivianer rettet nach einem langen Kriminalfall alte Formeln

Der Schüler Leon R. hat nach einem langen Kriminalfall Formeln aus dem 2. Weltkrieg aus den Fängen von skrupellosen Verbrechern gerettet…

Weiter kam Leon nicht. Das Telefon klingelte und Herr Blumberg war am Apparat. „Hallo Leon, ich wollte dir sagen, dass es schön wäre, dich morgen wieder in der Schule zu sehen“ „Natürlich, Herr Blumberg“ „Gut. Dann…“ „Eine Frage noch. Warum stehe nur ich in der Zeitung?“ „Ich mag es nicht, in der Zeitung zu stehen, und außerdem wäre es nicht gut für meinen Job.“ „Ok, dann Tschüss!“

Leon legte auf und freute sich, dieses Abenteuer bestanden zu haben. Ben hatte ihn in die Gang aufgenommen und außerdem bekam er von der Stiftung der Wissenschaft 1000€.

Ein bekannter Wissenschaftler hatte herausgefunden, dass die Formeln zur Herstellung eines extrem guten Raumanzugs dienten. Leon hat sich gut ins Rivius eingelebt und ist sehr beliebt bei seinen Mitschülern und Lehrern geworden.

Ende

Krimi 8

Das Geheimnis des Lehrerzimmerflures

Wie langweilig konnte Politik eigentlich sein? Unser Lehrer sprach und sprach ohne seinen Redefluss zu beenden. Ich bückte mich als würde ich einen Stift aufheben, aber gähnte hinter vorgehaltener Hand. Plötzlich kratzte es aus dem Lautsprecher, der Verbindung mit dem Schulleiter unserer Schule, dem Rivius Gymnasium in Attendorn. „Für alle Schüler ist das Betreten des Lehrerzimmerflures ab heute strengstens untersagt! Alle Klassenzimmer in diesem Bereich werden verlegt! “, kam es aus dem Lautsprecher. Meine Freundin Veronica und ich starrten uns an. Nicht weil wir die Durchsage so toll fanden, nein, dort auf dem Lehrerzimmerflur, wie der Flur an dem auch das Lehrerzimmer lag genannt wurde, war unser Klassenraum. Der schönste Raum der ganzen Schule, weil er groß war und man eine tolle Aussicht hatte. Auch unserem Lehrer stand der Mund offen. Leise murmelte er wir sollten uns ruhig beschäftigen und dann verschwand er durch die Tür in Richtung Sekretariat, dort war auch das Zimmer des Schulleiters. Es war jetzt so laut, dass jeder sich die Ohren zuhalten wollte. Aber wir, Veronica und ich, überlegten verzweifelt warum der Flur gesperrt wurde. „Ding Dang Dong“ , meldete die Schulklingel nach einer Weile erlösend. Alle rannten hinaus. Dies war die letzte Stunde gewesen. Veronica, Marlen die Tochter des Hausmeisters und ich schlenderten zu der Eisdiele direkt neben unserer Schule. In die Eisdiele gingen wir fast jeden Tag. Deshalb kannten wir auch die Eisverkäuferin und hatten einen Stammplatz. Ich bestellte mir ein Spagetti Eis und löffelte es, während wir uns über den Lehrerzimmerflur unterhielten. „Lasst uns doch am Wochenende bei Marlen übernachten. Dort können wir am besten herausfinden warum der Flur gesperrt wurde.“ sagte Veronica. Alle stimmten ihr zu und Marlen antwortete: „Ich frage gleich sofort meinen Vater,.. ob es klappt. Ich möchte das Geheimnis genauso gerne lüften wie ihr. Wenn es um Schule geht erzählt mein Vater nie etwas.“ Nach dem Zahlen lief Veronica zum Bus, Marlen zurück zur Schule, wo sie ja wohnte, und ich zum Parkplatz. Dort wartete meine Mutter bereits im Auto. Dann im Auto erzählte ich Mama von der Sperrung des Flures. Ihr war das aber ganz egal; ein Flur gesperrt und mehr nicht. Zuhause nahm ich meinen älteren Bruder zur Seite. Er ging auch auf das Rivius Gymnasium. „Wie findest du es eigentlich?“ fragte ich. Komischerweise wusste er direkt was ich meinte: „Den Lehrerflur nur den Lehrern zu lassen finde ich echt in Ordnung. Aber die Sperrung… dort ist ja auch der Kopierraum … Außerdem ist euer Klassenraum nicht schlecht!“ Langsam schlurfte ich in mein Zimmer und setzte mich auf einen Sessel. Mich interessierte nur noch warum der Flur gesperrt war. Mein Handy vibrierte. Eine SMS von Marlen.

Es klappt! Ihr könnt am Wochenende bei uns übernachten.

Super😊.

Antwortete ich.

Kurz darauf packte ich meine Tasche für die Übernachtung.Aber morgen war ja erst Freitag und das bedeutete nochmal Schule. Und ganze acht Stunden!

Gegen halb acht stand ich vor dem Hauptportal unserer Schule und wartete darauf, dass die Tür aufgeschlossen wurde. Ach endlich! Und ab zum schwarzen Brett. Raumverlegung der Klasse 7c in Raum 451. Ganz oben, aber der Raum war in Ordnung. Nach einem Deutschdiktat ging es einmal durch die ganze Schule zu Physik dann zu Kunst und als letztes zu Biologie. „Endlich Wochenende!“, schrie Veronica und zwinkerte Marlen und mir zu. Ich musste mich beherrschen damit ich keinen Lachanfall bekam. Gleich würden wir wieder hierher kommen. Aber jetzt wirklich nach Hause!

Zwei Stunden später schnappte ich mir meine schon gepackte Tasche und lief zum Hausparkplatz und stieg in unser Auto ein. Mal wieder war ich die Letzte. Zu Abend hatte Marlens Mutter für uns ein paar Butterbrote geschmiert. Schnell verschwanden wir in Marlens Zimmer und planten die nächtliche Aktion. Die Schlüssel hatte Marlen schon vorsorglich stibitzt. Niemand hatte vergessen schwarze Klamotten einzupacken. Die waren nämlich sehr wichtig zur Tarnung im Dunkeln. Veronica, Marlen und ich warteten eine halbe Ewigkeit damit wir niemanden aufweckten. Endlich standen wir auf, Marlen nahm die Schlüssel und ab ging es zu der Etage des Lehrerzimmerflures. „Wo wollen wir eigentlich als erstes nachschauen warum wir den Flur nicht zu betreten haben?“, fragte ich auf den letzten Treppenstufen vor unserem Ziel. „Erst den Flur, dann den Raum gegenüber von unserem alten Klassenzimmer, und dann unser altes Klassenzimmer.“ antwortete Veronica. Das klang nicht schlecht. „In Ordnung!“, sagten Marlen und ich gleichzeitig. Geduckt schlichen wir durch den Flur und suchten die Wände und den Boden nach Spuren oder irgendetwas anderem Brauchbarem ab. „Hier finden wir doch nichts. Lass uns in den Raum gegenüber von unserem Klassenzimmer weitersuchen.“ stöhnte ich nachdem wir bestimmt schon eine halbe Stunde in diesem Flur ohne Ergebnis suchten. „Na, gut.“ antwortete Marlen während sie nach einem Schlüssel suchte. „Da ist er doch!“, murmelte sie. Es war wieder eine halbe Stunde vergangen bis wir aus dem Raum kamen. Als wir dann in unser altes Klassenzimmer gingen seufzte Veronica erleichtert auf: „Endlich wieder hier. Wie schön.“ In dem Zimmer hatte sich jedoch etwas gravierendes verändert. Die Tafel war abgehangen und man konnte ein kleines Türchen erkennen. „Wie spannend!“, flüsterte ich aufgeregt. Veronica ging langsam auf das Türchen zu. Und dann drückte sie noch langsamer als sie gegangen war die Türklinke runter. Ein ganz normaler Gang kam zum Vorschein. Nun war Marlen die erste, die in den finsteren Gang kletterte. Am Ende des Ganges befand sich noch eine Tür. Ich streckte meine zitternde Hand zu der Klinke aus und drückte sie hinunter. Die Tür machte ich aber nur einen kleinen Spalt auf. Wer wusste schon was sich dahinter verbarg! Hinter der Tür befand sich ein weiterer Raum. Er sah alt und verstaubt aus. Und … Dort hatte jemand ein halbes Chemielabor aufgebaut! Vorsichtig schaute ich mich um. Ob hier wohl auch Menschen waren? Bestimmt! Sonst wäre die Tafel ja nicht abmontiert worden. Plötzlich hörte ich Schritte aus dem Raum. Mein Herz setzte für einige Sekunden aus. Eine Person im hellen Kittel schritt zu dem Labor und schüttete Flüssigkeiten zusammen. Veronica flüsterte: „Lass uns schnell hier weggehen, bevor er uns entdeckt!“ Damit schlichen wir auf Zehenspitzen zurück, aus dem alten Klassenzimmer, aus dem Flur und in Marlens Zimmer. „Puh! Endlich weg von da! Was meint ihr hat diese Person in dem Raum gemacht?“ fragte Marlen. Veronica antwortete lachend: „Ich glaube derjenige hat etwas zusammengeschüttet.“ „Aber was genau? Und wer? Wie wäre es, wenn sich einer von uns morgen dort versteckt?“, meinte ich. Man könnte sich eine Decke und Butterbrote mitnehmen. Morgen früh war der Unbekannte bestimmt weg oder man schaut wieder durch den Türschlitz. „Gute Idee!“, befand Marlen meine Idee, „Du hast es vorgeschlagen, also kannst du es auch machen.“ Ihr triumphierender Blick gefiel mir gar nicht, doch wenn die anderen sich nicht trauten, musste ich es eben machen. „Aber nur, wenn wir Handy Kontakt halten.“, setzte ich als Voraussetzung. Veronica und Marlen grinsten um die Wette, weil sie sich nicht in dem Laborraum verstecken mussten. Gähnend murmelte ich: „Ich gehe jetzt ins Bett, denn ich muss ja morgen fit sein.“ Die anderen nickten und antworteten: „Gute Nacht alle miteinander!“ Kurz darauf waren alle eingeschlafen. Die Nacht war trotzdem ziemlich kurz.

Als Veronica mich aufweckte, dachte ich wir hätten erst fünf Minuten geschlafen. Später gab es ein leckeres Frühstück. Marlens Eltern erzählten wir, dass wir auf den Schulhof gehen und spielen wollten. Stattdessen schlenderten wir unbemerkt vom Schulhof. Ich kramte in meiner Jackentasche und fand wieder erwartend drei Euro darin. „Ich habe Geld genug für einen Milchshake. Wenn wir drei Strohalme nehmen geht das.“ Mit einem Nicken stimmten die anderen zu und wir rannten zur Eisdiele. „Was darf es denn heute sein?“, fragte die nette Verkäuferin hinter der Theke. „Einen Milchshake mit drei Strohalmen, bitte.“ bestellte ich. „Ach ihr müsst doch nicht alle aus demselben Shake trinken. Wisst ihr was, einen Milchshake schenke ich euch.“ antwortete die Verkäuferin. „Wie nett, danke.“ bedankte ich mich. Dann gingen wir zu unserem Stammtisch. „Sollen wir gleich nochmal bevor die Person kommt zu dem kleinen Raum gehen?“, fragte ich nach einiger Zeit. „Und wenn er da ist?“, fragte Marlen zögernd. „Das glaube ich eher weniger. Und außerdem hat er uns gestern auch nicht gesehen.“ antwortete ich sicher.Wir unterhielten uns noch eine Weile über unsere Entdeckung und überlegten fieberhaft, was wir da zu Gesicht bekommen hatten. Als wir unsere Milchshakes leer getrunken hatten, verließen wir die Eisdiele, und gingen zurück in das Schulgebäude. Es ging wieder ab in den Lehrerzimmerflur. Der Gang aus dem Klassenzimmer zum Laborraum kam mir kürzer als das letzte Mal vor, denn schnell waren wir am Ziel. Der Raum wirkte verlassen und niemand befand sich darin. „Guckt mal ein alter Materialrschrank! Da könnte ich mich später verstecken.“ sagte ich. „Ja, wenn dort nichts drin ist, wäre das okay. Sonst möchte Mr. X dort noch Chemikalien herausnehmen und sieht dich.“ stimmte Veronica zu. Der Schrank war leer. Marlen flitzte in ihr Zimmer und holte Kissen und Decken, damit es nicht so hart und kalt in dem Schrank war. „Jetzt haben wir noch Zeit. „Alisa lade dein Handy nochmal ganz auf“, sagte Marlen zu mir nach gemachter Arbeit. „Und dann lasst uns auf dem Schulhof ein wenig Sonne tanken.“ Da antwortete Veronica schon: „Ich bin dabei! Ab nach Draußen!“ Dem stimmte ich mit einem Nicken zu. Wir machten es uns auf einer Bank gemütlich, um uns vor der langen Nacht nochmal auszuruhen. Gegen vier Uhr gingen wir zurück in Marlens Zimmer und ich machte mich für den nächtlichen Ausflug bereit. „Wir bringen dich noch bis in unser altes Klassenzimmer.“ meinte Veronica. „Stopp! Deine Eltern, Marlen, merken es, wenn ich beim Abendbrot nicht da bin. Und ich kriege auch mal Hunger!“, rief ich. Aber wir brauchten nicht lange überlegen was wir machen könnten, denn Marlen hatte schon eine gute Idee: „Ich hole das Abendbrot jetzt schon mal und wir erklären Mama, dass wir das Abendbrot heute bei mir im Zimmer essen wollen. Du kannst dir dann einen Snack mitnehmen, und meine Eltern merken nichts.“ Die Idee fanden alle super. Es gab, wie gestern Butterbrote, die ich in meinen gepackten Rucksack legte. Weil es noch so früh war mussten wir noch leiser sein als gestern. Kurz darauf waren wir in dem Klassenzimmer angekommen. Marlen und Veronica wünschten mir viel Glück und ich kletterte in die kleine Tür hinter der abmontierten Tafel. Ob die Person von gestern wieder da war? Am Ende des Flures drückte ich die Türklinke sehr langsam hinunter. Doch hinter der Tür war niemand. Ich atmete dreimal tief durch und lief hinüber zu dem Materialschrank, in dem ich meinen Rucksack platzierte, mich gemütlich hineinlegte und mein Handy griffbereit neben mich legte. Um acht Uhr hörte ich Schritte auf dem Flur. Bevor jemand in den Raum kommen konnte, schob ich die Schranktür einen Spalt auf. Komischerweise hörte ich noch mehr Schritte und Stimmen. Mein Herz klopfte mir bis zum Hals. Hoffentlich sahen sie mich nicht, hier in dem Schrank. Als sich die Tür nach einigen Sekunden öffnete dachte ich, ich hätte Haluzinationen. Da kam doch im Ernst der Chemielehrer, gefolgt von dem Schulleiter und einem Schüler aus der Klasse acht herein. Das tippte ich erst einmal als SMS an meine Freundinnen, die es auch erst nicht glauben konnten. Ich spitzte meine Ohren wie ein Luchs. Ein Käfig mit Mäusen stand auf dem Tisch neben dem Labor. „Los jetzt probiert Lars Formel aus. Wenn es klappen würde, würden wir drei und unser Rivius Gymnasium so reich und berühmt …“ sagte der Schulleiter. Aha, also hieß der Schüler Lars. Eine Formel die unsere Schule berühmt und reich machte klang nicht schlecht. Aber wozu war die Formel gemacht? Lars nahm ein Reagensglas in der, eine dickflüssige, silberne Flüssigkeit schwamm. „Ja! Das ist doch mal eine gute Konsistenz Lars!“, meinte der Chemielehrer, der sich eine der Mäuse auf die Hand nahm und ihren Mund weit aufhielt. Lars füllte in der Zwischenzeit ein wenig Flüssigkeit in eine Pipette, die er danach zum Mund der Maus führte und einige Tropfen hineintropfte. Erschrocken atmete ich halblaut ein. „Was war das?“, fragte der Schulleiter. „Was denn bitte? Ich habe nichts gehört, Sie irren sich bestimmt.“ antwortete Lars, und zog die Pipette zurück. Noch einmal schaute sich der Schulleiter misstrauisch um. „Und? Fliegt die Maus?“, fragte er scharf. Fliegen! Eine Formel mit der man wie ein Vogel fliegen konnte! Total cool! Erst da sah ich, dass die Maus einige Zentimeter über der Hand des Chemielehrers flog. „Ja, sie flieg.“, sagte der Lehrer während die Augen des Schulleiters immer größer wurden, „Wenn wir etwas mehr nehmen, könnte sogar ein Mensch mit der Formel fliegen. Ich rechne mal aus ,wie viel ein Mensch braucht … Ähm … Genau zwanzig Milliliter.“ „Wie großartig. Ich melde das schon mal bei dem Chemiewettbewerb an, und dann fließt das Geld nur so…“ schwärmte der Schulleiter und verschwand durch die Tür. Als er weg war flüsterte Lars dem Chemielehrer zu: „Aber woher sollen wir denn wissen, ob es auch bei Menschen funktioniert?“ „Ach, hab mal Vertrauen. Das wird schon klappen. Wir haben ja auch noch etwas Zeit zum forschen.“, antwortete der Lehrer während er sich umdrehte und dem Schulleiter zu folgen. Lars seufzte auf, fing die Maus aus der Luft, setzte sie in den Käfig und säuberte die Gefäße. Später ging er dann auch, und ich wittmete mich meinen Butterbroten. Das alles musste ich nun erst einmal verdauen.

 

Unterhaltung von drei St. Ursula Gymnasium Schülern nach der Anmeldung des Schulleiters bei dem Wettbewerb:

„Ihr wisst nicht, was mein Vater mir gestern erzählt!“ sagte Finn zu seinen Klassenkameraden Jan und Henry. „Nein, wissen wir nicht.“ sagten die beiden interessiert. „Der Schulleiter vom Rivius hat seine Schule zu dem Chemiewettbewerb angemeldet, von dem mein Vater ja der Veranstalter ist, und der Schulleiter hat gesagt das ein Schüler eine Formel entwickelt hat, mit der man fliegen kann. Wie wäre es, wenn wir der Erzfeindschule die Formel klauen? Es muss dieses Jahr auf jeden Fall unsere Schule gewinnen!“ fuhr Finn fort. „Gute Idee. Zu lange haben wir die Rivianer nicht geärgert. Ich bin dabei!“, stimmte Henry zu. Ein „Ich auch“ folgte darauf auch von Jan. „Morgen um sieben vor der Erzfeindschule, klar?“ erklärte Finn. Seine Kameraden nickten stumm. So ganz wohl war ihnen die Sache nämlich nicht.

Wieder bei den drei Mädchen Marlen, Veronica und Alisa:

Als ich am frühen Morgen aus der Tür in unseren alten Klassenraum kletterte standen dort schon Veronica und Marlen. „Wir möchten alles ganz genau wissen. Wie war das genau?“, fragten die Beiden. „Wie wäre es, wenn wir das alles in der Eisdiele besprechen?“, fragte ich anstatt zu antworten. Veronica und Marlen nickten und wir flitzten los. Nun musste ich alles haargenau erzählen. Zweifelnd schauten Veronica und Marlen mich an. Dann sagte Marlen: „Morgen verstecke ich mich mit dir zusammen, Alisa, in dem Schrank. Ich kann immer noch nicht glauben was du erzählt hast.“ „ Ich möchte auch mit. Geheimnisse lüften ist meine Spezialitat! „Klingt gut. Dann bin ich nicht mehr so allein. Zum Glück ist morgen Lehrerkonferenz. Sonst hätten wir das vergessen können.“ sagte ich. Heute machten wir dasselbe wie Gestern. Ehrlich gesagt sehr langweilig. Doch dann stieg die Spannung. Ob der Chemielehrer, Lars und der Schulleiter wieder in den Raum kommen würden? Dachte ich auf dem Weg in den kleinen Raum. Es war ziemlich eng mit Marlen und Veronica zusammen in dem Schrank.

Zur selben Zeit trafen sich Finn, Jan und Henry auf dem Schulhof des Rivius Gymnasiums Attendorn. „Und was machen wir jetzt?“, fragte Jan der als letztes ankam etwas ängstlich. Bevor Finn oder Henry antworten konnten rollte ein schwarzer Mercedes auf den Schulhof. Fast gleichzeitig sprangen die drei Jungen in ein Gebüsch und beobachteten den Schulleiter, den Chemielehrer und Lars die aus dem Auto stiegen. Sie kannten jedoch nur den Schulleiter. Nun erst konnte Finn Jan antworten: „Wir schleichen denen einfach hinterher.“ Geduckt schlichen sie hinter ihnen her.

Plötzlich hörten Veronica, Marlen und ich Schritte aus dem Gang. Wie gestern stellten sich die drei Gestalten, die sich als der Schulleiter Lars und der Chemielehrer entpuppten, zum Labor. Doch meine Blicke blieben an der Tür hängen. War dort eine Gestalt oder spielte die Dunkelheit in dem Schrank mir einen Streich? Ich schüttelte den Kopf. Bestimmt war dort nichts. Mein Blick schlich zurück zur Tür. Nein, dort war wirklich nichts. „Mach den Mund auf Lars!“, rief der Schulleiter, „Ich möchte zu hundert Prozent wissen ob ein Mensch damit fliegen kann!“ Doch Lars machte keine Anstalten den Mund zu öffnen. Stattdessen sagte er: „Wenn Sie es wissen wollen, dann probieren Sie es doch aus! Und außerdem habe ich die Formel erfunden.“ „Ich mache es.“ Stellte sich der Chemielehrer zur Verfügung. Er sperrte den Mund weit auf, während Lars die zwanzig Milliliter der Substanz mit Hilfe der Pipette in den Mund seines Lehrers tröpfelte. Dass was ich nun sah verschlug mir die Sprache; der Chemielehrer schwebte wenige Zentimeter über dem Boden. Jubelnd streckte der Schulleiter die Hände in die Luft und sprang auf und ab. Ich meinte aus dem Flur Stimmen zu hören. Wie merkwürdig. Ob dort noch jemand stand und lauschte? Zu gerne hätte ich nachgeguckt. „Jetzt gewinnen wir bestimmt den Chemiewettbewerb! Dann können wir die Prämie einsacken! Jetzt wird alles gut! Wir schließen die Versuchsreihe hiermit ab, und geben den Flur morgen wieder frei.“, rief der Schulleiter. Super! Dachte ich. Wenig später schlichen wir zurück in Marlens Zimmer. Dafür mussten wir über den Schulhof gehen. Plötzlich quietschte ein Fenster. Schlagartig drehte ich mich um. Drei Jungen, die ich nur alt so gut kannte, kletterten aus dem Fenster. Es waren Jan, Henry und Finn. Marlen hatte sie auch gesehen und flüsterte: „Morgen sind bestimmt wieder alle Tafeln beschmiert.“ Morgen war ja wieder Schule! Unsere Tornister hatten Veronica und ich schon zu Marlen mitgenommen.

Am nächsten Morgen schlenderten wir zum Lehrerzimmerflur. Wir hatten wieder in unserem alten Klassenraum Unterricht. Erst Mathe, dann Englisch und zuletzt Musik. In Mathe gab es eine Unterbrechung. Es klopfte. Und da kam die Polizei herein. „Die Schule wurde bestohlen. Jemand ist in die Schule eingedrungen und hat eine geheime Chemieformel gestohlen. Neben der Formel wird außerdem ein Reagenzglas mit der fertigen Substanz und eine Pipette vermisst. Hat jemand hierzu einen Hinweis?“, fragte einer der Polizisten. Marlen und ich schauten uns erstaunt an und zeigten schnell auf. „Ja.“ nahm uns einer der Polizisten dran. „Finn, Jan und Henry, vom St. Ursula Gymnasium sind gestern aus einem der Fenster hier geklettert. Vielleicht waren sie es …“ antwortete ich auf die Frage. Einer der Polizisten kritzelte ein paar Wörter auf einen Block. „Gut. Danke, das wird uns sehr helfen.“ murmelte er dann.

Nach der Schule gingen wir in die Eisdiele zu unserem Stammplatz. Da kam schon die nette Verkäuferin. „Heute habe ich eine neue Eis Sorte gemacht. Weil ihr so gute Kunden seid, dürft ihr sie probieren. Kommt mit!“, begrüßte sie uns. Das fanden wir alle richtig toll. Wir gingen sogar hinter die Theke. „Waldmeister-Erdbeere, und wunderbar cremig …“ stellte die Verkäuferin uns stolz vor. Die Eis Sorte schmeckte richtig lecker. Neben dem Mülleimer, indem ich meinen Becher und den Löffel versenkte, stand ein bunter Korb. Erst beachtete ich ihn gar nicht, doch dann funkelte etwas aus dem Korb. Dass was ich sah ließ mir das Blut in den Adern gefrieren. Eine Pipette in der sich eine silberne Flüssigkeit befand. Veronica verfolgte meinen Blick und sagte schnell: „Wir gehen dann mal wieder. Tschüss!“ Danach, auf dem Schulhof fuhr das Auto des Schulleiters und ein Polizeiwagen vor. Aber wir rannten hinüber zu Marlens Vater. „Papa, Papa! Die Eisverkäuferin war die Einbrecherin, wir haben die Beweis Stücke in ihrem Korb gesehen!“ rief Marlen schon von weitem. „Ihr irrt euch bestimmt, aber ich komme mit. Zeigt mir das doch mal.“ antwortete er fast gleichgültig. Der Verkäuferin wird doch auffallen, dass wir zweimal kommen, oder? Ach egal. In der Eisdiele zielten wir den Mülleimer an. Zum Glück stand neben ihm eine Säule mit Flyern. „Da hattet ihr doch wirklich recht, Mädchen. Ich rufe die Polizei.“ staunte der Hausmeister. Da kam die Verkäuferin. Ohne Schürze und so etwas umgebunden. „Da habt ihr mich wohl enttarnt. Ab in die Ecke da!“, schrie sie und zog eine Pistole aus ihrer hinteren Hosentasche. Ich hatte nicht bemerkt, dass wir fünf die einzigen in dem Laden waren. Marlens Vater zog das Handy vom Ohr und taumelte mit gehobenen Händen zurück. Die Verkäuferin zielte auf uns. „Achtung hier ist die Polizei! Lassen Sie die Waffe fallen und heben sie die Hände!“, rief ein Polizist ziemlich eindringlich. Die „nette“ Eisverkäuferin wurde abgeführt. Den Korb übergaben wir Lars, dem Chemielehrer und dem Schulleiter. Beschämt dachten wir an Finn, Jan und Henry, die wir zu unrecht beschuldigt hatten. Doch da hatte Marlen eine Idee und lief zum Schulleiter. Veronica und ich folgten ihr. „ Wenn wir den Preis von dem Wettbewerb tatsächlich gewinnen und eine Feier veranstalten, könnten wir dann die Schüler und Lehrer der Ursula Schule einladen? Das würde die Beschuldigung an sie bestimmt fast vergessen machen.“ erklärte Marlen dem Schulleiter. „Gute Idee! Das machen wir, aber es ist noch nicht gesagt, dass wir den Wettbewerb gewinnen.“ antwortete er und zwinkerte uns zu.